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Ausstellung Vernissage:
31.05.2013, 20Uhr Synaesthesia/ 4: Translating, Correcting, Archiving ist die letzte Ausstellung in der Synästhesie-Reihe bei Art Laboratory Berlin . Sie präsentiert drei künstlerischen Positionen, die selbst (graphemische) Synästhetiker sind - Ditte Lyngkaer Pedersen (DK), Eva-Maria Bolz (D) und Andy Holtin (USA). Sie bedienen sich jeweils einer eigenen Ausdrucksform ihrer synästhetischen Erfahrungen für ihre künstlerischen Arbeiten. Während sich die drei vorangegangenen Synästhesie-Ausstellungen mal mit kunsthistorischen, mal mit medialen oder auch mit performativen Aspekten des Themas beschäftigten, widmet sich die Ausstellung Synaesthesia/ 4: Translating, Correcting, Archiving ausgewählten künstlerischen Strategien zur Dekodierung des Phänomens der Synästhesie. Es ist bezeichnend, dass alle drei Künstler unterschiedliche Formen der synästhetischen Wahrnehmung erleben. Die dänische Künstlerin Ditte Lyngkær Pedersen, Dozentin für Video in Aarhus, Dänemark, ist durch eine graphematische und eine räumliche Synästhesie begabt. Seit 2003 hat sie ein umfangreiches Videoarchiv mit Interviews zur multisensorischen Wahrnehmung von Synästhetikern angelegt, die die Erfahrungen Einzelner dokumentieren und zugleich die unüberbrückbare Kluft zwischen dem individuellen Themengebiet und dem Publikum deutlich machen: "Da jeder Synästhetiker, den ich traf, mich mit neuen Spektren ästhetischer Empfindungen konfrontierte, begriff ich, dass wahrscheinlich kein gemeinsamer Vorstellungsraum zu finden sein wird, sondern nur individuelle." Die Arbeiten, zusammengefasst unter Why is Green a Red Word?, untersuchen den Zusammenhang zwischen Sprache, Übersetzung und visuelles Denken. Lyngkær Pedersen verfolgt den dokumentarischen Ansatz, indem sie sich auf die Gattung "Interview" konzentriert und damit der nicht vermuteten Vielfalt an synästhetischen Ausprägungen weltweit Raum geben möchte. So interviewte sie beispielsweise Gregory Sean Kielian, der sie während der Filmaufnahmen durch die Landschaft nahe der Berkeley University in Kalifornien führt, während er ihr von seiner individuellen synästhetischen Farb-Raum-Perzeption berichtet. Den Spaziergang hat Lyngkær Pedersen bewusst in schwarz-weiß gefilmt. Die Farben erscheinen erst dann wieder im Videointerview, wenn er ihr beispielsweise die von ihm farbig wahrgenommenen Streifen auf seinem Pass erläuterte. In einem anderen Interview beispielsweise trifft Lyngkær Pedersen auf Lisa Nyberg, die eine Raum-Nummer-Form-Synästhesie erlebt. In diesem Interview hat die Künstlerin die Methode von Fragebögen hinzugezogen und den Synästhetikern Fragen gestellt, wie z.B.: "Wie viele cm von Deinem Arm entfernt befindet sich Januar?" "Wie groß sind die Wochentage?" Die Antworten übertrug Lyngkær Pedersen in Zeichnungen, die dann wiederum im Gespräch von Nyberg korrigiert wurden - so wurde eine dreidimensionale zeitliche Wahrnehmung in eine zweidimensionale Illustration übertragen. Diese und andere Erkenntnisse hat die Künstlerin auf der Konferenz Synaesthetics and Kinaesthetics im Oktober 2010 am Zentrum für Literaturforschung vorgetragen. Von Geburt an graphemisch und lexikalisch synästhetisch begabt, widmet sich die in Berlin lebende und arbeitende Künstlerin Eva-Maria Bolz der Erforschung der Beziehung von Farbe, Text und Wahrnehmung. Bei ihrer individuellen Form der Synästhesie empfindet sie eine unveränderliche Assoziation von Farben zu Zahlen, Buchstaben und bei der lexikalischen Synästhesie zu ganzen Wörtern. Wahrnehmung wird zu einem Filter, durch den Buchstaben, Worte - der Text an sich - in Farben übersetzt und aus einer Menge allgemein bekannter Zeichen in eine Nachricht verwandelt wird, die nur von einer bestimmten synästhetischen Empfindung erfasst werden kann. Das Projekt, das Eva-Maria Bolz bei Art Laboratory Berlin präsentiert, folgt ihrer subjektiven Wahrnehmung, dass Farben und Buchstaben einen bestimmten Code bilden, durch den ein Text in Farbstreifen übersetzt werden kann. Jeder Buchstabe entspricht dabei einem bestimmten Farbton. Indem die Künstlerin gezielt Texte verwendet, die intensive Farbbeschreibungen enthalten, wie etwa Oscar Wildes Die Rose und die Nachtigall, fordert sie uns nicht nur auf, die wahrgenommenen Unterschiede zu erforschen, sondern den Text auch durch die Augen eines Synästhetikers zu erleben. Andy
Holtin ist Kunstprofessor an der American University in Washington
D. C. und verfügt über eine graphemisch-synästhetische
Begabung, verbunden mit einer bestimmten Farb-Nummer-Assoziation. Er
sieht Zahlen in bestimmten Farben, überdies noch variiert durch
eine partielle Rot-Grün-Blindheit, die nur bestimmte Nuancen betrifft.
Erst zu Beginn seines Hochschulstudiums hatte Holtin feststellen müssen,
dass seine spezifische graphische numerische Kombination nicht automatisch
von allen Menschen in dieser Form wahrgenommen wird. Andy Holtin, Corrections, videostills, 2009 In seinem Video Corrections sieht man, wie eine Hand verschiedene Zahlen auf Fotografien von Hinweistafeln und Namensschildern durch Kolorierung erweitert. Corrections demonstriert die Lücke zwischen dem Gegenstand und dessen subjektiv sinnlicher Wahrnehmung ebenso wie die persönlichen Eindrücke des Künstlers selbst. Durch das schnellere Abspielen der Aufnahme erscheint der Akt des Kolorierens grotesk und die Handlung der malenden Hand bekommt darüber hinaus etwas Slapstick-artiges.
Presse:
Olga Shmakova Mit freundlicher Unterstützung von: Medienpartner: Die Synaesthesia Reihe wurde von Michael Schröder unterstützt.
Letzte
Ausstellung
Vernissage:
22.3.2013, 19 Uhr Die Ausstellung setzt sich mit dem Phänomen der Synästhesie unter kunstgeschichtlichen Gesichtspunkten auseinander. Der Rückbezug auf unterschiedliche Bewegungen in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts verleiht der Reihe der insgesamt vier Synästhesie-Ausstellungen bei Art Laboratory Berlin eine historische Komponente. Simon
Davenport & Carl Rowe // Banquet for Ultra Bankruptcy
Das für Art Laboratory Berlin entworfene Projekt A Banquet for Ultra Bankruptcy stützt sich auf das Manifest Marinettis als Ausgangspunkt für eine Performancereihe mit anschließender Ausstellung. Das übergreifende Thema der Synästhesie bietet eine wissenschaftliche Grundlage für die Erforschung von Ästhetik, Politik und Partizipation sowie Reaktion der Teilnehmer dar. A Banquet for Ultra Bankruptcy sieht fünf Performances für sechs Gäste mit Publikum vor. Im Laufe eines Sechs-Gänge-Menüs werden ausgewählte Lebensmittel mit Bildern, Tönen und Düften kombiniert. Jeder Gang wird als ästhetisches Erlebnis gestaltet, um das Publikum an simultanen Sinneswahrnehmungen teilhaben zu lassen. Sergio
Maltagliati & Pietro Grossi // CIRCUS 8
Pietro Grossi & Sergio Maltagliati Circus 8, 1986/2008 Die Arbeit
Circus 8 (1986/ 2008) besteht aus acht Stücken und basiert
auf den HomeArt-Programmen von Grossi, welche die Musik aus einer einfachen
Klangzelle automatisch generiert. Maltagliati hat mit Software-Programmen
Grossis Prinzip erweitert und damit visuelle graphische Variationen
hinzugefügt. Die durch den Computer generierten Visualisierungsmuster
entsprechen einer graphischen Partitur einer Klangkomposition (vgl.
John Cage). Die Arbeit Circus 8 wird der Synästhesie-Ausstellungsreihe
bei Art Laboratoy Berlin nicht nur eine kunst- und musikhistorische
Dimension verleihen, sie bringt auch eine wesentliche neue Komponente
in die Diskussion hinein: Es geht um eine Form der digitalen Synästhesie. Contemporary Art Turns to the Dinner Table: Art Events Gone Gourmet in Hg2 Magazine
Mit freundlicher Unterstützung von:
Die
Synaesthesia Reihe wurde von Michael Schröder unterstützt.
Medienpartner:
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