Nonhuman Subjectivities

The Other Selves. On the Phenomenon of the Microbiome

François-Joseph Lapointe, Saša Spačal with Mirjan Švagelj and Anil Podgornik , Tarsh Bates, Joana Ricou

Performance - 1000 Handshakes: 3. Februar 2016. 19-22 Uhr während Eröffnung der transmediale, Haus der Kulturen der Welt (mehr Informationen)
Vernissage: 26. Februar 2016, 20 Uhr
Künstler/innengespräch: 28. Februar 2016, 15 Uhr
Berlin Science Hack Day Stammtisch: 23. März, 201619 Uhr (mehr Informationen)
Naturwissenschaftlerin und Künstlerin im Gespräch - PD Dr. Annette Moter und Tarsh Bates: 23. April 2016, 18 Uhr
(mehr Informationen)
Finissage mit Gespräch von Felix Navarrete: 30. April, 2016 15-18 Uhr


Ausstellung: 27. Februar – 30. April, 2016 || Fr-So 14-18 Uhr u.n.V. (am 29. April bis 21 Uhr geöffnet)



Links: François-Joseph Lapointe, Microbiome selfie, 2014 Mitte & rechts: Saša Spačal, Mirjan Švagelj, Anil Podgornik Mycophone Unison, Responsive Installation: Elektronik, Klang, und biologische Materialen, 2013; Petri dish, Installation Detail 2013


Art Laboratory Berlin freut sich, die neue Reihe Nonhuman Subjectivities vorstellen zu dürfen. Ausgehend von gegenwärtigen philosophischen Theorien zur Objekthaftigkeit und einer Kritik am Anthropozentrismus richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf nichtmenschliche Akteure.

Die Ausstellung, die erste unserer neuen Reihe, zeigt verschiedene künstlerische Positionen zum komplexen mikrobiellen Milieu am und im menschlichen Körper. Wissenschaftler behaupten, dass es genauso viele Bakterien wie menschliche Zellen in unserem Körper gibt. Das Phänomen des Mikrobioms wirft also eine Menge grundlegender Fragen über die menschliche Identität und unsere Beziehung zu unseren multiplen Entitäten auf.

François-Joseph Lapointe verbindet seine biologische Forschung mit Performancekunst. Seine jüngsten künstlerischen Arbeiten thematisieren das Mikrobiom in Verbindung mit unserem alltäglichen Leben und der physischen Beziehung zu anderen. Lapointe sequenziert sein eigenes Mikrobiom, um metagenomische Selbstportraits zu schaffen, sogenannte Microbiome Selfies, welche die Metamorphose seines bakteriellen Selbst illustrieren.

In der Ausstellung sind neue Arbeiten seiner Performance 1000 Handshakes zu sehen, die er am 3. Februar 2016 in der Eröffnungsnacht der transmediale realisierte: Im Laufe des Abends hat Lapointe im Berliner Haus der Kulturen der Welt 1001 Hände geschüttelt. Nach jeweils 50 geschüttelten Händen wurden Proben seiner Handinnenflächen gesammelt um die DNA des Mikrobiom zu analysieren und damit aufzuzeigen, wie der Kontakt mit anderen unser Mikrobiom formt und uns verändert.

Für die künstlerisch visuelle Bearbeitung bediente er sich der Spektrumanalyse und Netzerk-Viualisierungs-Software der Bioinformatik. Im Gegensatz zur analogen mikroskopischen Analyse arbeitet Lapointe hier vielmehr mit einem digitalen DNA-Datensatz. Sowohl die Videoarbeit als auch die sechs Bilder stellen formal gesehen den letzten Schritt der Analyse dar: die Netzwerk-Analyse. Wesentlich ist hier aber, dass Lapointe im Kontext der künstlerisch ästhetischen Produktion die Zahlen und Buchstaben der Systematik entfernt. Die Bilder zeigen den mikrobiellen Verlauf während der Interaktion mit anderen Mikrobiomen. Es ist faszinierend, sich die wesentliche Geste seiner Performance 1000 Handshakes zu verdeutlichen: das Händeschütteln, eine grundlegende und uralte Form der Beziehungspflege.

Saša Spačal zusammen mit Mirjan Švagelj und Anil Podgornik untersuchen die Dichotomie des Einsseins des menschlichen Körpers zwischen biologischer Einheit zum einen und Vielheit des menschlichen Mikrobioms zum anderen. In ihrer Installation Mycophone_unison entwickelte das Kunst-Wissenschaft-Design-Team eine auditive Landkarte der Interaktionen ihrer Mikrobiome und uns Rezipienten: Indem die Besucher ihren Fingerabdruck hinterlassen, senden sie ein Signal an die Karte, die dies durch die zentrale ‚Himmelsplatte' an die drei Mikrobiome weitergibt und verarbeitet. Die polymodale Sonifikation betont dabei die Vielfältigkeit der Macher_innen.

Die drei Petrischalen auf der ‚Himmelsplatte' sind mit mikrobiellen Kulturen der drei Autoren gefüllt. Diese Kulturen trotzen durch ihre Vielfältigkeit und Komplexität jedweder monolithischen oder unitären Definition des Seins. Durch ihre sich ständig verändernde Resistenz gegenüber dem fließenden Strom schaffen diese Kulturen-Mikrobiome gemeinsam eine akustische Einheit mit der partizipativen Hilfe der Besucher.


    
Links: Tarsh Bates bei der Arbeit im Labor für künstlerische Produktion, School of Pathology and Laboratory Medicine, The University of Western Australia, 2015, Rechts: Joana Ricou, Other landscape no. 1, microbiome der Künstlerin und Umgebung, C-print, 89 × 140 cm, 2014

Joana Ricous Fotografien, mikrobielle Gemälde und Performances verlaufen jenseits der traditionellen Grenze zwischen Organismus und Umgebung. Ricou sammelt Proben ihres eigenen Mikrobioms und das ihrer Umgebung, kultiviert diese im Labor, um sie anschließend zu visualisieren. Daraus sind zwei Portrait-Serien entstanden: Other-self Portraits, ein Gemisch von Kulturen ihres eigenen Körpers; und Non-self Portraits, ein Gemisch von umgebenden Kulturen. Ricou, eine Immigrantin, begann diese Arbeit als sie sich fragte, ob ihr neues Umfeld ihr Mikrobiom verändern würde - und wenn ja, wo würden die Grenzen zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst verlaufen.

Ihre Serie Other Selves besteht aus Mikrobiom-Portraits der letzten Jahre, bei denen Ricou Bauchnabel-Proben von über 400 Personen genommen hat, was eine beeindruckende visuelle Bandbreite an Bakterien, Pilze und Archaeen darstellt. Diese Portraits wiederum stellen unsere traditionelle Sichtweise des Selbst als einzeln oder ausschließlich menschlich in Frage.

Tarsh Bates untersucht künstlerisch, was es bedeutet, Mensch zu sein, wenn unser Körper mit mehr als einer Billion Zellen ausgestattet ist, von denen doch nur die Hälfte menschliche sind. Die neue Arbeit Surface dynamics of adhesion, eben hier in Berlin entstanden, ähnelt einem beflockten Tapetenmodell: In doppelten Plexiglas-Rahmen dicht verschlossen wächst der Candida parapsilosis - auf Agarlösung mit dem Blut der Künstlerin - in Mustern, wie sie Charles Philippe Robin 1853 erstmals für den Candida albicans vorsah. Und gerade in dieser viktorianischen Ära nahm das Bewusstsein für Hygiene rasant zu. Die vielschichtige Installation inkludiert Möbel der damaligen Zeit und lädt die Besucher ein, auf ihnen Platz zu nehmen und mehr über Tarsh Bates künstlerische Forschung mit Candida zu lesen.

Ihre Videoarbeit Ereignis, Gelassenheit und Lichtung: A love story zeigt im Zeitraffer-Modus Candida albicans, das sich mit dem Serum vermischt, was von der Künstlerin stammt.

Regine Rapp & Christian de Lutz (Kuratoren)

Mehr zu der Serie Nonhuman Subjectivities


Original pressetext (10.02.2016) als. pdf

Presse-/Ausstellungstext als.pdf

berlinartlink.com, publiziert am 16.04.2016 von Alice Bardos BODY // Nonhuman Subjectivities: Humans Can Learn from the Political Make-Up of Our Bacteria

labiotech.eu, publiziert am 5.03.2016 von Claire Braun, BioArt : What is our True Relationship with the Human Microbiome?

art-in-berlin-de, publiziert 3. März 2016 von Inge Pett, Die Kunst des Händeschüttelns. Eine neue Ausstellung bei Art Laboratory Berlin

The Daily Mail, publiziert 2. März 2016 von Abigail Beall, The beauty in your BELLY BUTTON: Artist uses fluff and bacteria from navels to create works of art that are 'unique as fingerprints'

Delo, publiziert am 27. Februar 2016 von Mojca Kumerdej, Poleti bi lahko brstela v triindvajsetih identitetah

gizmodo.com publiziert am 26. Februar 2016 von Jennifer Ouellette, Your Belly Button Lint Makes a Beautiful Portrait as Unique as Your Fingerprint

iflscience! publiziert am 25. Februar 2016 von Tom Hale, Petri Dish Portraits Of The Belly Button's Bacteria

The Guardian, publiziert am 24. Februar 2016, Navel gazing: portraits of the bacteria in our belly buttons – in pictures

RTE (Radio Television Ireland), publiziert am 12.02.2016 von Luke Clancy, Cultural File: Hacking a Microbiome
als .mp3 (ab 2'22")


BZ- Berlin, publiziert am 3.02.2016 von Philipp Pohl, Haus der Kulturen der Welt: Künstler will 1000 hände schütteln


Mit der freundlichen Unterstüzung von:



Kooperationspartner:

 

Medienpartner:

Ermöglicht durch eine großzügige Unterstützung von Michael Schröder.


Mycophone_unison from Saša Spacal on Vimeo.





Saša
Spačal with Mirjan Švagelj and Anil Podgornik Mycophone_unison, Responsive installation: Elektronik, Klang, und biologische Materialen, 2013, Fotografien (C) Tim Deussen



Saša Spačal with Mirjan Švagelj and Anil Podgornik Mycophone_unison, Responsive installation: Elektronik, Klang, und biologische Materialen, 2013; Petri dish, Detail, 2013, Fotografien (C) Tim Deussen

Saša Spačal with Mirjan Švagelj and Anil Podgornik Mycophone_unison, Responsive installation: Elektronik, Klang, und biologische Materialen, 2013; Petri dish, Detail, 2013, Fotografien (C) Tim Deussen

Vorder: Saša Spačal with Mirjan Švagelj and Anil Podgornik Mycophone_unison, Responsive installation: Elektronik, Klang, und biologische Materialen, 2013; hinten: François-Joseph Lapointe, Microbiome selfie, 2016, Fotografien (C) Tim Deussen


François-Joseph Lapointe, Microbiome selfie, 2016, Fotografien (C) Tim Deussen


François-Joseph Lapointe, links: Microbiome selfie, 2014; Mitte: Microbiome selfie, 2016, Animation; rechts: 1000 Handshakes, 2016, Dokumentation der Performance während der transmediale 2016, Fotografien (C) Tim Deussen

Links:Tarsh Bates, Surface dynamics of adhesion, 2015-16, Installation mit lebendem Candida Parapsilosis; rechts: Joana Ricou, The Other Selves, 2015, Video, Fotografien (C) Tim Deussen

Tarsh Bates, Surface dynamics of adhesion, 2015-16, Installation mit lebendem Candida Parapsilosis; rechts: Ereignis, Gelassenheit und Lichtung: A love story, 2015, Video, Fotografien (C) Tim Deussen

Tarsh Bates, Surface dynamics of adhesion, 2015-16, Installation mit lebendem Candida Parapsilosis (Detail), Fotografien (C) Tim Deussen

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