Nonhuman Subjectivities

Under-Mine
.
Alinta Krauth


Alinta Krauth, Under-Mine, interactive video installation, still from animation (detail), 2017

Vernissage: Samstag 25. Februar 2017, 20 Uhr
Künstleringespräch: 26. Februar 2017, 15 Uhr
Ausstellung läuft 26. Februar - 2. April 2017, Fr- So 14-18Uhr u.n.V.


Das Ausstellungsprojekt untersucht Probleme und Möglichkeiten, nichtmenschliche Wahrnehmung über die Schnittstelle künstlerischer Praxis und neuester Technologie zu kommunizieren. Durch interaktive und nicht-interaktive Videoarbeiten, die generative und zeitbasierte Techniken nutzen, entwickelt die australische Künstlerin Alinta Krauth mögliche Narrative von Tieren, die durch den Klimawandel bedroht sind.

Die australische Künstlerin Alinta Krauth hat speziell für Art Laboratory Berlin die neue Arbeit Under-Mine (2017) entwickelt. Sie hat auf Video, generative Kunst, Datenvisualisierung zurückgegriffen und sich mit den neuesten Forschungen zu Tierwahrnehmung und -kognition auseinander gesetzt. Krauth stellt damit narrative Wege als Schnittstelle zwischen menschlichem und nichtmenschlichem zur Diskussion. Da die Wahrnehmungsweise jeder Spezies einzigartig ist und oft über das menschliche Wissen hinausgeht, bedient sich die Künstlerin vielfältiger technologischer Werkzeuge, um nichtmenschliche Wahrnehmungen zu navigieren und übersetzen.

Rechts im Ausstellungsraum lädt die interaktive Videoinstallation Under-Mine die Betrachter ein, über vier Wesen und ihre Versuche, dem Artensterben zu entkommen, nachzudenken - Fledermaus, Gebirgseidechse, Assel und Wildpferd. Die Narrative erschließen sich über eine Zeitachse: von akzeptablen bis hin zu katastrophalen Klimastufen. Die Betrachter steuern die Welt, während die Tiere Sinnesveränderungen ausgesetzt sind. Je höher der Level, desto verwirrender, schneller, langsamer oder abstrakter gestaltet sich die Umwelt. Mit datenbasierten Videos und Klängen, handgezeichneten Animationen und digitalen interaktiven Elementen hat Krauth diese Computeranimationen entwickelt. Die Künstlerin versteht abstrakte visuelle Zeichen und akustische Wahrnehmung als Sprache, als Interaktion mit einer immersiven Umgebung und einer sinnorientierten, weniger linearen Erzählung.

Die vier Videoarbeiten links im Ausstellungsraum reflektieren ästhetisch die Aspekte des Klimawandels für jeden der vier Arten und ihre spezifischen Formen der Wahrnehmung: die spezielle Methode der Echoortung bei Fledermäusen; wie viele Wesen bedienen sich auch besonders die Gebirgseidechsen der Chemorezeption, um Territorien und passende Partner zu identifizieren; Asseln nutzen Feuchtigkeit als Entscheidungsmarker für Bewegung und Lage. Die Hygrorezeption ist nicht der einzige Sinn, den sie benutzen, um Bewegung zu kontrollieren, so sind auch Thigmokinese und Phototaxis wichtige Wahrnehmungsformen; und die Kaimanawa-Wildpferde aus Neuseeland die propriozeptiven Informationen (Gleichgewicht, Blutdruckregulierung) über ihre Hufe wahrnehmen.

Eine weitere digitale Skizze reflektiert über andere Arten. Es gibt viele andere Wesen, deren Sinne vom menschgemachten Klimawandel betroffen sind und sein werden. Da sind zum Beispiel die Seeschildkröten, die mithilfe ihres Magnetsinns nach Hause zurückfinden. Einige Arten von Fischen verlieren ihren olfaktorischen Sinn, der es ihnen erlaubt, nach Futter zu suchen und Feinde aufzuspüren.

Für die Computeranimationen benutzte Alinta Krauth eine Mischung aus Frame-by-Frame-Animationen, zeitbasierte Code-generierte Animationen und digitale Zeichnungen. Aufgrund ihrer computergenerierten Natur werden die ursprünglichen interaktiven Versionen niemals zweimal abspielen. Sie sind ein Gespräch zwischen der Künstlerin, die Bilder schafft und Parameter setzt, und dem Computer, der diese Parameter dann ausführt. Mit einer Mischung aus Field Recording, datengeneriertem Sound und postmodernen Notationstechniken für Komposition hat Krauth auch den begleitenden Sound produziert.

Das Projekt nutzt die Tradition der interaktiven und game-basierten elektronischen Kunst, die den menschlichen Körper mit dem Geschichtenerzählen verbindet. Krauth schlägt vor, dies zur Erkundung zwischenartlicher Empathie zu nutzen. Durch die Interaktion nimmt das Publikum mehrere Rollen ein: Charakter, Schöpfer und Betrachter. Der Künstlerin ist bewusst, dass die Erzählung selbst ein sehr menschliches Konstrukt ist und dass jeder Versuch, Tierwahrnehmung zu erleben, von Natur aus anthropozentrisch ist. Under-Mine testet die Grenzen zwischen Mensch und Tier und lädt uns ein, unsere übliche Subjekt-Objekt-Beziehung zu allem nichtmenschlichen zu überdenken
-Regine Rapp & Christian de Lutz (Kuratoren)

Mehr zu der Serie Nonhuman Subjectivities

art-in-berlin.de, going wrong, turning back, inflexible - Kommunikation mit der nichtmenschlichen Kreatur
ITB Berlin News, Nonhuman Subjetivities: Under-Mine. Alinta Krauth (s.38)




Video von Keren Cherry


Alinta Krauth, Under-Mine, 2017


Alinta Krauth, Under-Mine, 2017


Alinta Krauth, Under-Mine, 2017


Alinta Krauth, Under-Mine, 2017


Alinta Krauth, Under-Mine, 2017


Alinta Krauth, Under-Mine, 2017 (l. Rock Lizard; m. wood louse; r. wild horse)



Alinta Krauth, Under-Mine, 2017 (Microbat)

 

Medienpartner:


Kooperationspartner:

Besondere Danke an: