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IN PROGRESS… | COLLOQUIUM

Research in Art, Science, and Humanities

Mit Aisen Caro Chacin und Zahra Mokhtari

Art Laboratory Berlin freut sich, Sie und Euch zum Colloquium einzuladen (dieses mal online ). Es ist ein diskursives Format, von Regine Rapp kuratiert, zum Austausch aktueller Forschungsprojekte in Kunst, Geistes- und Naturwissenschaften.


Das Colloquium richtet sich an ein internationales, interdisziplinäres Forschungspublikum, um vergangene, aktuelle oder zukünftige Projekte von Künstler:innen und Wissenschaftler:innen, Kurator:innen oder Redakteur:innen aus den Bereichen Kunst, Geistes- und Naturwissenschaften vorzustellen und zu diskutieren. Die Themen können sich auf ein Kunstprojekt, ein Buch, einen Text oder ein Kapitel, ein Forschungs- oder Ausstellungsprojekt, ein Laborexperiment, eine Vortragsreihe, ein Konferenzkonzept oder anderes beziehen.

Die Präsentationen und der Austausch werden sich auf den work-in-progress der Arbeiten konzentrieren. Methodische Ansätze – theoretisch oder praktisch – sind hier ebenfalls von großem Interesse. Während unserer Forschung wechseln wir häufig zwischen praktischer Untersuchung und theoretischer Forschung und greifen oft auch auf verschiedene Disziplinen zurück. In Anlehnung an die ursprüngliche Bedeutung von Colloquium als „gemeinsames Sprechen“ wollen wir eine Plattform für den Austausch darüber bieten und verschiedene Arten von Arbeitsprozessen einbeziehen, die oft nicht gesehen oder nicht besprochen werden.

Das Colloquium lädt zu informellen Gesprächen zwischen den Teilnehmenden ein und wird nicht aufgezeichnet oder archiviert.



Vortragende in der Session am 26. Mai 2026

Dr Aisen Caro Chacin, Künstlerin und Forscherin zu Human Informatics | Tethered: End-of-Life AI Opera


Dr. Aisen Caro Chacin ist eine sich regenerierende Zusammensetzung von Zellen, die eine Frau, eine Venezolanerin, eine Spanierin, eine US-Amerikanerin und ein Tier hervorbringt, dessen Migrationsmuster nicht auf Jahreszeiten beruhen, sondern vielmehr auf Zufall, Chaos und Gelegenheit setzen. Sie ist Künstlerin und leitet das Medical Prototyping Lab an der University of Texas Medical Branch sowie ist Assistenzprofessorin für Pathologie an der School of Medicine. Sie ist Gründungsmitglied des Medicine and Arts Program am Art|Sci Center der UCLA und war Vorsitzende von Houstons Leonardo LASER. Sie war Affiliate Faculty an der School of Art der University of Houston, wo sie auch ihren BFA erwarb. Sie hat einen MFA in Design und Technologie von der Parsons The New School, wo sie als Teaching Fellow tätig war. Ihren Ph.D. in Human Informatics erwarb sie an der Universität Tsukuba, Japan. Ihre Forschung und Praxis konzentrieren sich auf sensorische Wahrnehmung, die Mensch-Maschine-Beziehung und die philosophischen Implikationen der Verkörperung durch künstliche Körper und Realitäten in einer Zeit bewusster Evolution. Ihr Medium ist der Wahrnehmungsapparat selbst, und ihre Arbeit umfasst Neue Medienkunst, Mensch-Computer-Schnittstellen, medizinische Geräte und Assistive Device Art.

Tethered: End-of-Life AI Opera ist eine Performance-Arbeit, welche die Abhängigkeit des Menschen von Intensivpflegegeräten und unsere Koevolution mit KI untersucht. Das Werk entstand aus der Begleitung eines engen Freundes – des experimentellen Pianisten Robert Pearson – während seiner letzten Monate mit ALS in der Hospizpflege. Pearson kommunizierte über Eye-Tracking-Technologie und steuerte mit seinen Augen geschriebene Gedichte bei, die zum Libretto der Oper wurden. Das Stück verwebt Klangkunst, KI und immersive Medien, um zu hinterfragen, was es bedeutet, an eine Maschine gebunden zu leben, und welche Formen von Handlungsfähigkeit, Intimität und Fürsorge an der Schnittstelle von Biologie und Technologie noch möglich sind. 


Dr Zahra Mokhtari, Physikerin und Forscherin zu Motion Behaviour | Signals Shape Collective Behaviour. From Ant Trails to Opinion Dynamics


Dr. Zahra Mokhtari ist Physikerin, deren Forschung die Grenze zwischen individueller Bewegung und kollektivem Verhalten untersucht. Sie erwarb ihren Bachelor-Abschluss in Physik in Teheran, Iran, und zog anschließend nach Vancouver, Kanada, um an der Simon Fraser University einen Master in Quantenmechanik zu absolvieren. Sie promovierte in statistischer Physik an der Universität Göttingen und ging dabei einer klassischen Frage auf neue Weise nach: Was bedeutet „mehr ist anders“ eigentlich, und wann tritt dieser Effekt ein? In ihrer Doktorarbeit modellierte sie lebende Akteure – Bakterien, die sich durch unwegsame, heterogene Umgebungen bewegen. Als Postdoktorandin an der Freien Universität Berlin wandte sie sich der Spurbildung in Ameisenkolonien zu und untersuchte, wie verzögerte, nachrichtenähnliche Signale zufällige Bewegungen in organisierte Pfade verwandeln können. Sie präsentierte ihre Arbeiten in begutachteten Publikationen und Vorträgen auf internationalen Konferenzen wie der American Physical Society (2022) und den DPG-Frühjahrstagungen (2022, 2024). Sie erhielt ein Hanna-Neumann-Stipendium zur Modellierung von Schafherden unter Verwendung von verstärktem Lernen. Später wandte sie als Datenwissenschaftlerin maschinelles Lernen an, um verborgene Muster in der Musik aufzudecken und dynamische Preisstrategien zu optimieren, wobei sie unerwartete Strukturen in Märkten entdeckte.

Wie bilden Gruppen (Ameisen, Zellen oder Social-Media-Nutzer) kohärente Bewegungen oder plötzliche Meinungswechsel ohne einen zentralen Anführer? In diesem Vortrag wird Zahra den Aufbau eines agentenbasierten Modells zur Untersuchung dieser Frage erläutern. Ausgehend von biologischen Vorbildern (Bakterien und Ameisen, die chemische Spuren hinterlassen) zeigt sie, wie Tausende simulierter „Wanderer“ Signale hinterlassen und auf schwächer werdende Signale reagieren. Das überraschende Ergebnis: Die Lebensdauer eines Signals kehrt kollektive Ergebnisse um: von chaotischen Schwärmen zu stabilen, organisierten Spuren. Anschließend verbindet sie dieses Modell mit der Meinungsdynamik: Was wäre, wenn Tweets, Schlagzeilen oder Chat-Nachrichten als solche flüchtigen Signale fungieren und sich gemeinsam mit den Menschen entwickeln, die sie erstellen und konsumieren? Der Fokus liegt auf der Untersuchung von „Einfluss“, wenn Nachrichten selbst einen Lebenszyklus haben.




ORT

Nur online (ZOOM)
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Eintritt frei, für alle zugänglich.
Kein Livestream, keine Videoaufnahmen.

DatUM Und UHRZEIT

Di, 26. Mai 2026, 20 Uhr MEZ
Dieses mal nur online.

KonZept

Regine Rapp

ALB Team

Regine Rapp, Christian de Lutz, Amandine Hong-Minh, Giulia Marsigli

UNTERSTÜTZT VON

Senatsabteilung für Hochschulbildung und Forschung, Gesundheit und Langzeitpflege

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