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Mind the Fungi

Brochure No. 1 | Brochure No. 2

Mind the Fungi-Brochures, Art Laboratory Berlin, 2020

Mind the Fungi ist eine Kooperation zwischen dem Institut für Biotechnologie der TU Berlin und Art Laboratory Berlin. Mikrobiolog_innen und Bioprozesstechniker_innen erforschen lokale Baumpilze und Flechten. Im Zentrum steht die Entwicklung neuer Ideen und Technologien für pilz- und flechtenbasierte Materialien der Zukunft: Biomaterialien aus Pilzen können nachhaltige Alternativen für Bau- und Verpackungsmaterialien
darstellen und sogar Leder ersetzen. Flechten produzieren benfalls wertvolle Werkstoffe, in der Natur wachsen sie jedoch nur sehr langsam. Art Laboratory Berlin stellt mit verschiedenen Citizen Science-Formaten die Brücke zwischen Wissenschaft, Kunst, Design und Öffentlichkeit her. Das Artists-in-Residence-Programm
mit Theresa Schubert und Fara Peluso bringt Kunst und Design mit konstruktiven Ideen in das vorliegende Forschungsprojekt ein.



Brochure No. 1


Können wir aus Abfallstoffen Medikamente, Enzyme, Chemikalien, Textilien, Baustoffe, Möbel und mehr gewinnen? Das Fachgebiet für Angewandte und Molekulare Mikrobiologie der TU Berlin unter der Leitung von Prof. Vera Meyer antwortet mit »Ja«, denn Pilze können fast alles – sie sind Meister der Zersetzung und Meister der Synthese. Ihr Stoffwechselpotential sucht seinesgleichen in der Natur, daher studiert und optimiert das Fachgebiet seit etwa zehn Jahren verschiedene Pilze, um Zukunftsfragen zu beantworten. Im Projekt Mind the Fungi konzentriert sich das Fachgebiet auf lokale Baumpilze, um diese als nachhaltige Biomaterialien zum Beispiel für die Baustoffindustrie umzufunktionieren. Hierfür entwickelt es geeignete Kultivierungs- und Genomeditierungsverfahren.

Effiziente Bioprozesse, die Roh- und Reststoffe in wertvolle Produkte umwandeln, sind die Basis für eine biobasierte Ökonomie. Das Fachgebiet Bioverfahrenstechnik der TU Berlin unter der Leitung von Prof. Peter Neubauer möchte dazu beitragen, in dem mikrobielle Kulturen in geschlossenen Systemen, sog. Bioreaktoren, unter kontrollierten Bedingungen vermehrt und Wertstoffe isoliert werden – seien es Probiotika, Omega-3 Fettsäuren, Biopolymere oder Pharmazeutika. Ziel ist die Schließung regionaler Stoffkreisläufe zur nachhaltigen Bioproduktion und die Automatisierung der Prozessentwicklung zur Kostensenkung. Im Projekt Mind the Fungi wird untersucht, wie symbiotische Lebensweisen zwischen Pilzen und Algen, den Flechten, im Labor nachgeahmt werden können, um neue natürliche Wertstoffe nutzbar zu machen.

Die Kunst- und Forschungsplattform Art Laboratory Berlin (ALB) präsentiert interdisziplinäre Kunstprojekte zu aktuellen Themen in Naturwissenschaft und Technologie. ALB realisiert unter der Leitung von Regine Rapp und Christian de Lutz Ausstellungen, Performances, Workshops, Konferenzen und Publikationen. Dabei werden Themen des 21. Jahrhunderts, derzeit schwerpunktartig die Lebenswissenschaften, über ausgewählte künstlerische Projekte verhandelt. Im Projekt Mind the Fungi organisiert ALB zahlreiche Citizen Science-Formate und bringt Kunst, Design und Wissenschaft zusammen. Gemeinsam mit der Öffentlichkeit werden in Walk & Talks, Workshops und Open Lab Meetings wissenschaftliche Erkenntnisse diskutiert. Mögliche Verarbeitungspraktiken der Biomaterialien werden mit einem breiten Publikum erforscht.

Mind the Fungi-Brochure No. 1, Art Laboratory Berlin, 2020

Mind the Fungi-Brochure No. 1, Art Laboratory Berlin, 2020

Brochure No. 2


Für die Künstlerin Theresa Schubert stellen Pilze die perfekte Grundlage für Netzwerkmetaphern dar, nicht nur ästhetisch, sondern auch als eine Philosophie der Beziehungen, des Prozesses und des Raums. Für ihr Box Experiment konstruierte sie Boxen, die Lautsprecher und ausgewähltes Pilzmyzel aus den Walk & Talks enthielten. Mehrere Wochen lang beschallte sie die Pilze mit bestimmten Tonfrequenzen. Schubert war begeistert zu sehen, dass sich dies auf das Wachstum und den Stoffwechsel des Myzels auswirkte. Das zeigt ihre interaktive Videoinstallation Sound for Fungi. Homage to Indeterminacy, die Pilzhyphen simuliert und über einen Handtracking-Sensor Interaktion ermöglicht. Die Besucher_innen können hier als Tonfrequenz agieren, die das Wachstum der Hyphen moduliert und Bewegung durch das Netzwerk ermöglicht.

Die Künstlerin und Designerin Fara Peluso arbeitet in den Bereichen Material Driven Design und Biokunst. Sie begreift den Menschen als Teil der Natur, der Organismen und biologischen Prozesse. Ihre hybride Installation Niche erforscht die Koexistenz zwischen Pilzen und Algen als Mikroorganismen. Peluso lässt sich von der symbiotischen Beziehung zwischen diesen Organismen in Flechten inspirieren und verbindet Natur, Biotechnologie und Kunst. Die Skulptur Zweisamkeit kombiniert eine Topographie aus Eichenholz mit mehreren Schichten von Biomaterial und reflektiert die Entwicklung von Landschaft durch den Menschen. Dabei interessiert Peluso, wie wir unsere natürliche Umgebung definiert und geformt haben, aber wiederum von biologischen Kräften in der Umwelt geprägt werden.

Mind the Fungi-Brochure No. 2, Art Laboratory Berlin, 2020

Mind the Fungi-Brochure No. 2, Art Laboratory Berlin, 2020

Titel

Mind the Fungi No. 1. (erschienen im März 2020)
Mind the Fungi No. 2 (erschienen im Juli 2020)

Herausgeber:innen

Regine Rapp & Christian de Lutz (ALB) für das Mind-the-Fungi-Team

Eigenverlag

Art Laboratory Berlin

Sprachen

Englisch, deutsch

Seitenanzahl

Je 8 Seiten

Grafische Gestaltung

Eva-Maria Bolz

Auflage

Je 2.500 Exemplare

Unterstützt von

Mind the Fungi

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