IN PROGRESS… | COLLOQUIUM
Research in Art, Science, and Humanities
Mit WhiteFeather Hunter und Helen Yung
Art Laboratory Berlin freut sich, Sie und Euch zum Colloquium einzuladen (dieses mal online). Es ist ein diskursives Format, von Regine Rapp kuratiert, zum Austausch aktueller Forschungsprojekte in Kunst, Geistes- und Naturwissenschaften.
Das Colloquium richtet sich an ein internationales, interdisziplinäres Forschungspublikum, um vergangene, aktuelle oder zukünftige Projekte von Künstler:innen und Wissenschaftler:innen, Kurator:innen oder Redakteur:innen aus den Bereichen Kunst, Geistes- und Naturwissenschaften vorzustellen und zu diskutieren. Die Themen können sich auf ein Kunstprojekt, ein Buch, einen Text oder ein Kapitel, ein Forschungs- oder Ausstellungsprojekt, ein Laborexperiment, eine Vortragsreihe, ein Konferenzkonzept oder anderes beziehen.
Die Präsentationen und der Austausch werden sich auf den work-in-progress der Arbeiten konzentrieren. Methodische Ansätze – theoretisch oder praktisch – sind hier ebenfalls von großem Interesse. Während unserer Forschung wechseln wir häufig zwischen praktischer Untersuchung und theoretischer Forschung und greifen oft auch auf verschiedene Disziplinen zurück. In Anlehnung an die ursprüngliche Bedeutung von Colloquium als „gemeinsames Sprechen“ wollen wir eine Plattform für den Austausch darüber bieten und verschiedene Arten von Arbeitsprozessen einbeziehen, die oft nicht gesehen oder nicht besprochen werden.
Das Colloquium lädt zu informellen Gesprächen zwischen den Teilnehmenden ein und wird nicht aufgezeichnet oder archiviert.
Thema der Sitzung am 15. September 2026
Bodies of Value: Reproductive Biomaterials Between Art, Biotech, and Biocapital
Menschliche reproduktive Biomaterialien, insbesondere solche, die aus AFAB-Körpern (bei der Geburt als weiblich zugewiesen) stammen, entwickeln sich zunehmend zu Brennpunkten wissenschaftlicher Innovation, wirtschaftlicher Interessen und politischer Auseinandersetzungen. Die Colloquiums-Session am 15. September diskutiert, wie menschliche Eizellen, Embryonen, Menstruationsstammzellen und andere Biomaterialien mit biomedizinischer Forschung, kommerziellen Bestrebungen und kulturellen Narrativen verwoben sind. Im Rahmen des Colloquiums werden die Künstlerinnen und Forscherinnen Dr. WhiteFeather Hunter und Helen Yung im Gespräch mit Regine Rapp analysieren, wie diese Biomaterialien in den sozialen Medien gleichzeitig ausgebeutet und kontrovers diskutiert werden – dort, wo viraler feministischer Diskurs, Risikokapital, Biotechnologie und Influencer-Kultur zusammenlaufen, um das öffentliche Verständnis und das kommerzielle Vorhaben zu beeinflussen, das die aufstrebenden Bioökonomien antreibt. Anhand zeitgenössischer Bio Art und der Komplexität von IVF (In-Vitro Fertilisation) werden Hunter und Yung untersuchen, wie sie ihre künstlerische Praxis nutzen, um ausbeuterische Narrative in Frage zu stellen und gleichzeitig sozial bewusstere und differenziertere Zukunftsvisionen für die Reproduktionsbiotechnologie anzustoßen.
Sprecherinnen am 15 September 2026
Dr. WhiteFeather Hunter, Künstlerin und Forscherin | Bodies of Value: Reproductive Biomaterials Between Art, Biotech, and Biocapital
Dr. WhiteFeather Hunter ist eine international anerkannte kanadische Künstlerin und Forscherin. WhiteFeather Hunter hat einen Doktortitel in Bio Art von SymbioticA an der University of Western Australia sowie einen Master of Fine Arts in Textil- und Materialkunst von der Concordia University. Ihre Doktorarbeit The Witch in the Lab Coat war eine technofeministische Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Biokulturen, bei der sie „tabuisierte“ Materialien wie Menstruationsflüssigkeit in Gewebezüchtungs-Protokollen einsetzte und DIY-Laborgeräte herstellte. Dies schloss Hexerei als praktizierten Widerstand gegen die medizinisierte Kontrolle über den Körper von Frauen ein. Zu Dr. Hunters jüngsten Projekten gehört Sentient Clit – The Pussification of Biotech, eine Untersuchung zum 3D-Bioprinting von Klitorisgewebe, in das ihre zu neuronalen Zelltypen differenzierten Menstruationsstammzellen eingebettet wurden, um ein synthetisches, auf Reize reagierendes Organ zu erzeugen. Das Projekt wurde von der Jury für den Ars Electronica S+T+ARTS-Preis 2024 nominiert. Hunter war Teil des Ausstellungsprojekts Matter of Flux und des gleichnamigen Festivals bei Art Laboratory Berlin im Jahr 2023 und stellte ihre künstlerische Forschung bereits 2022 im Rahmen einer Colloquiumsveranstaltung bei Art Laboratory Berlin vor.
In der Colloquiumssitzung am 15. September 2026, wie oben bereits erwähnt, wird WhiteFeather Hunter die Höhepunkte ihrer Arbeit mit Menstruationsstammzellen sowie ihre Erfahrungen mit Big Tech und Blood Farms im Kontext ihrer Forschung zu Biomedizin vorstellen.
Helen Yung, Künstlerin und Forscherin | Bodies of Value: Reproductive Biomaterials Between Art, Biotech, and Biocapital
Helen Yung leitet das „Laboratory for Artistic Intelligence“ und ist eine inter-/transdisziplinäre Künstlerin und Forscherin. Ihre Arbeit reicht von mutigen Experimenten im Rahmen von „What Art Knows“ bis hin zur Konzeption, Gestaltung und Kuratierung von Installationen, Interaktionen, Interventionen, Ausstellungen und preisgekrönten Performances. Das Projekt „What Art Has To Offer Immigration“ hat neuen Migrant:innen und Geflüchteten erfolgreich dabei geholfen, in Kanada eine Vollzeitstelle in ihrem jeweiligen Interessengebiet zu finden. „What Art Has To Offer Astronomical Thinking“ ist eine fortlaufende Zusammenarbeit mit der theoretischen Astrophysikerin Dr. Gurtina Besla und der in New York lebenden Künstlerin Samita Sinha. „What Art Has To Offer ART (Assisted Reproductive Technologies)“ begann mit einer Zusammenarbeit mit der medizinischen Leiterin Dr. Chaula Mehta, und ausgewählte Ergebnisse des Projekts wurden in New York und Zürich uraufgeführt.
Im Rahmen des Kolloquiums am 15. September, wie bereits oben erläutert, wird Helen Yung über ihre Erfahrungen mit der Erzeugung und Betreuung menschlicher Keimzellen in der assistierten Reproduktionsmedizin berichten – aus der Perspektive einer Patientin, eines Familienmitglieds und einer Künstlerin und Forscherin.
