research > The Silkworm Project

The Silkworm Project

Künstlerische und designbasierte Forschung

Vivian Xu

Vivian Xi präsentiert das Silkworm Projekt und ihre Ergebnisse ihrer Residency, Symposium The Artist Silkworm Interface, July 2019, Foto: Lisa Onaga

Vivian Xu am Max-Planck Institut für Wissenschaftsgeschichte, Foto: Lisa Onaga

Foto: Art Laboratory Berlin

Vivian Xu: The Silkworm Project, Vivian Xu, Regine Rapp und Christian de Lutz schauen sich machine III an, 2019, Foto: Tim Deussen

Vivian Xu und Teilnehmende des The Silkworm Workshop, 2019, Foto: Art Laboratory Berlin

Vivian Xu: The Silkworm Project, lebende Seidenraupenmotte, Art Laboratory Berlin, 2019, Foto: Tim Deussen

Vivian Xu ist eine Medienkünstlerin und Forscherin mit Sitz in Shanghai. Ihre Arbeit ist zwischen Bio- und elektronischen Medien angesiedelt, indem sie neue Formen von Maschinenlogik, Leben und sensorischen Systemen erschafft, und nimmt oft die Form von Objekten, Installationen oder Wearables an. In The Silkworm Project erforscht Vivian Xu die Möglichkeiten der Verwendung von Seidenraupen, um eine Reihe von hybriden Maschinen zu entwerfen, die in der Lage sind, selbstorganisierte 2D- und 3D-Seidenstrukturen zu produzieren. Xu möchte verstehen, inwieweit das Verhalten von Insekten als Grundlage für technologisches Design dienen kann. Zu diesem Zweck hat sie kybernetische Geräte entwickelt, die sowohl auf biologischer als auch auf computergesteuerter Logik basieren. Die Künstlerin und Designerin arbeitet an der Schaffung von selbstorganisierten Seidenstrukturen, die von lebenden Seidenraupen, einer posthumanen Maschine, entworfen werden.

Unsere Zusammenarbeit mit Vivian Xu begann bereits 2016. Ihr Projekt The Silkworm Project ist eng mit unserer Reihe Nonhuman Subjectivities (2016/17) und Nonhuman Agents (2017/18) verbunden. Wir danken Vivian Xu für ihren Beitrag auf unserer Konferenz Nonhuman Agents in Art, Culture and Theory (Nov 2017, Art Laboratory Berlin), den wir als Videoaufzeichnung (zusammen mit allen anderen Konferenzbeiträgen) in unserem Web-Archiv veröffentlicht haben. Wir freuen uns, in Zusammenarbeit mit dem Berliner Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG) einen viermonatigen künstlerischen Forschungsaufenthalt von Vivian Xu in Berlin zu organisieren (Mai-August 2019). Die Ausstellung, Vorträge, ein Symposium und ein Workshop zur Serikultur von Vivian Xu geben der Öffentlichkeit Einblicke in dieses faszinierende Langzeitprojekt.

Art Laboratory Berlin freut sich sehr, Xus Projekte erstmals in Europa zu präsentieren.

Vivian Xu: The Silkworm Project machine I, Ausstellungsansicht, Art Laboratory Berlin, 2019, Foto: Tim Deussen

Vivian Xu: The Silkworm Project machine II, Ausstellungsansicht, Art Laboratory Berlin, 2019, Foto: Tim Deussen

The Silkworm Project ist der erste Teil einer fortlaufenden Serie mit dem Titel The Insect Trilogy, in der Vivian Xu das Verhalten von Seidenraupen, Ameisen und Bienen untersucht, um es bei der Konstruktion von Maschinen zu berücksichtigen. Indem sie die 5000 Jahre alte Tradition der Seidenzucht mit neuen Technologien kombiniert, untersucht sie in ihrer Arbeit die Rolle von Mensch und Nicht-Mensch, von Biologie und Technologie und die durchlässigen Grenzen zwischen ihnen. Ihre Seidenmaschinen basieren auf einer geschlossenen Feedback-Schleife, die ein autonomes Produktionssystem schafft, das sowohl organisch als auch künstlich, biologisch und rechnerisch ist.

Vivian Xus erste Seidenraupenmaschine, Silkworm Machine I: Flat Spinning, bezieht sich direkt auf die verschränkten Geschichten von Textilweberei und Computertechnik. Die Maschine ist ein Stapel quadratischer Fächer, die zum Teil auf der traditionellen chinesischen Serikultur basieren, aber auch dem Stapel eines Magnetkernspeichers ähneln. Beide verweisen auf die sehr menschliche Tradition, der Welt kartesische Strukturen aufzuerlegen. In ihrer Seidenraupenmaschine II: Spatial Spinning entschied sich Xu, eine Maschine um den Organismus herum zu entwerfen und das Biologische und Sensorische in das Mechanische zu integrieren. Die Künstlerin ist daran interessiert, „die räumliche Perspektive des Wurms durch das Maschinendesign darzustellen, um zu versuchen, das Innenleben der Weltanschauung der Seidenraupe zu ergründen.“ Seidenspinnen ist gleichbedeutend mit Insektenarchitektur – es wird ein Raum gebaut, in dem sich die Seidenraupe sicher verpuppen kann.

Vivian Xu: The Silkworm Project, machine III, Art Laboratory Berlin, 2019, Foto: Tim Deussen

Der jüngste Prototyp von The Silkworm Project, Machine III – Magnetic Spinning Machine, finanziell getragen von Art Laboratory Berlin, verbindet die Maschinen I und II. Er betont eine hybride bionische Perspektive, die in ihrer Natur spekulativ ist. Auf einer Ebene versucht sie, darüber nachzudenken, wie wir Systeme und Maschinen entwerfen. Sie ähnelt fast einer Raumkapsel – elliptisch und planetarisch – als würde sie in ihrer eigenen kleinen Umlaufbahn rotieren. Weder vollständig maschinenähnlich, noch rein biologisch; es ist ein Hybrid. Die Maschine zielt darauf ab, das Gleichgewicht des Insekts zu stören, Verwirrung zu stiften und den toten Winkel der Wahrnehmung der Seidenraupe durch die gesponnenen Seidenstrukturen zu verfolgen. Wie Machine II verwendet diese Maschine gekrümmte Oberflächen, um die Seidenraupe herauszufordern, die normalerweise Ecken und Winkel benutzt, um ihre Strukturen zu verankern. Das Seidenraupenprojekt von Vivian Xu stellt die posthumane Frage nach autonomer Biofabrikation: Wie können Lebewesen und Maschinen zusammenarbeiten, um neue Biomaterialien zu weben? Xu bemerkte kürzlich dazu: „Ich bin daran interessiert, über eine neue bionische Systemlogik zu spekulieren, in der Wurm und Maschine ein schwebendes, rotierendes Ökosystem bilden.“

Regine Rapp & Christian de Lutz

Foto: Art Laboratory Berlin


Vivian Xu (* 1985) ist Medienkünstlerin und Forscherin und lebt in Shanghai. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen biologischen und elektronischen Medien: Xu entwickelt neue Formen von Maschinenlogik, Lebensformen und sensorischen Systemen – häufig als Objekte, Installationen oder tragbare Gegenstände. Sie hat an verschiedenen Institutionen in China, den USA, Deutschland und Australien gezeigt, Vorträge gehalten und Vorträge gehalten. Vivian ist Mitbegründer von Dogma Lab, einem transdisziplinären Designlabor in Shanghai, das sich der Schaffung experimenteller Forschung an der Schnittstelle von Design, Technologie, Kunst und Wissenschaft widmet. Zwischen 2013 und 2015 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der New York University Shanghai. Seitdem hat sie Vorlesungen an verschiedenen Universitäten und Programmen gehalten, darunter an der Shanghai Tech University, der chinesischen Universität von Hongkong, dem Shenzhen Campus, dem Roy Ascott Technoetic Arts Programm (Shanghai) usw. Ihre Arbeiten wurden in Medien und Presse vorgestellt, darunter VICE China, Elle US, China Global TV English Channel usw. Xu erhielt 2013 ihren MFA in Design und Technologie an der New School for Design in Parsons.

Orte

Art Laboratory Berlin
Prinzenallee 34, 13359 Berlin

Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin (MPIWG)

Zeitraum

Mai – August 2019

Kuratiert von

Regine Rapp & Christian de Lutz

Team

Vivian Xu
Lisa Onaga PhD, MPIWG
Regine Rapp, Christian de Lutz, ALB

Fotodokumentation

Tim Deussen
Lisa Onagaga
Art Laboratory Berlin

Kooperationspartner:innen

Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin (MPIWG)

Unterstützt von

Aktivitäten

exhibition

The Silkworm Project

  1. Vivian Xu
1. Juni – 14. Juli 2019

Die Ausstellung präsentiert das komplexe Projekt The Silkworm Project der Künstlerin und Designerin Vivian Xu mit mehreren Prototypen und Dokumentationen früherer Experimente sowie einer neuen Maschine, die mit lebenden Seidenraupen interagiert. The Silkworm Project ist der erste Teil der fortlaufenden Serie The Insect Trilogy, in der sie das Verhalten von Seidenraupen, Ameisen und Bienen untersucht, um es bei der Konstruktion von Maschinen zu berücksichtigen. Indem sie die 5000 Jahre alte Tradition der Seidenraupenzucht mit neuen Technologien kombiniert, untersucht Vivian Xu in ihrer Arbeit die Rolle von Mensch und Nicht-Mensch, von Biologie und Technologie und die durchlässigen Grenzen zwischen ihnen.

Art Laboratory Berlin freut sich, Xus Projekte erstmals in Europa zu präsentieren.

 

Mehr lesen
event Konferenz

The Artist-Silkworm Interface

  1. The Agricultural Treatise as Source and Scrutiny for Creating an Artist Book
  2. Vivan Xu, Lisa Onaga, Dagmar Schäfer, Regine Rapp, Anna Grasskamp, Yubin Shen
4. Juli 2019

Dieses eintägige Symposium, organisiert von Lisa Onaga vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Zusammenarbeit mit Art Laboratory Berlin, diskutiert, wie die Linse der zeitgenössischen Kunst sich mit dem Genre der landwirtschaftlichen Traktate und Handbücher auseinandersetzen kann, die seit langem die Aufmerksamkeit der Wissenschaftsgeschichte auf sich gezogen haben. Es wird untersucht, wie Kunst, die an der Schnittstelle zwischen Tier und Maschine angesiedelt ist, zur Analyse der Wissensproduktion beitragen kann, die in Traktaten mit Tieren von besonderem Nutzen oder Wert dargestellt wird.

Das Symposium wirft Fragen auf, wie dreidimensionale und taktile Prototypen und Modelle, die Lebewesen einbeziehen, in zweidimensionalen Räumen dargestellt und kommuniziert werden können. Die Symposiums-Teilnehmer:innen diskutieren, wie man die Konventionen der Traktate produktiv für neue künstlerische Interpretationen öffnen kann, während man sie gleichzeitig daraufhin analysiert, was sie über die Zeit und das Gefüge ihrer jeweiligen Gesellschaften aussagen können.

Referent:innen: Vivian Xu, Dagmar Schäfer, Regine Rapp, Anna Grasskamp, Yubin Shen

Mehr lesen
event Talk

Conversations in Silk

  1. Artist and scholar talk
  2. Vivian Xu and Lisa Onaga
30. Juni 2019

Conversations in Silk präsentiert einen Dialog zwischen der Biologiehistorikerin Lisa Onaga, Senior Research Scholar am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, und der Künstlerin und Designerin Vivian Xu. Sie werden über das komplexe und vielschichtige Thema der Seide reflektieren, das vom historischen und kontinentübergreifenden Kontext der Seidenraupenzucht bis hin zu Spekulationen über die Zukunft der Beziehungen zwischen Seidenraupe und Mensch im Rahmen der Technowissenschaften reicht.

Lisa Onaga berichtet aus ihren eigenen Forschungen über die Geschichte der Seidenkokonproduktion und Standardisierung in Japan sowie über Seidenraupenvererbungsexperimente auf verschiedenen Kontinenten und stellt dem Publikum neue Forschungsergebnisse aus ihrem kommenden Buch Cocoon Cultures vor. Vivian Xu spricht über ihre Arbeit und Forschung für The Silkworm Project, das eine eher spekulative und kybernetische Sichtweise einnimmt.

Mehr lesen
event Workshop

THE SILKWORM PROJECT Workshop

  1. Vivian Xu
8. Juni 2019

Die Künstlerin präsentiert ihre Forschung und Arbeit der letzten sechs Jahre, in denen sie Computer- und Maschinenumgebungen für die Seidenraupe entworfen hat, um das Spinnverhalten und die räumliche Wahrnehmung der Insekten besser zu verstehen. Der Vortrag beschreibt drei Perspektiven, die während des Forschungsprozesses von The Silkworm Project eingenommen wurden. Vivian Xu spricht auch über ihre aktuelle Arbeit am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte.

Alle Teilnehmenden erhalten Seidenraupen, die von der Künstlerin in Berlin von Hand aufgezogen wurden. In Anlehnung an andere Forscher:innen wie die Mediated Matter Group am MIT Media Lab können die Teilnehmer:innen ihre eigenen Spinnbeobachtungen durchführen und den Tieren räumliche Fragen stellen, indem sie dreidimensionale Umgebungen konstruieren, in denen die Seidenraupen leben und arbeiten können.

Mehr lesen

Informiert bleiben

Unseren Newsletter abonnieren