Prosodia
Performance | Mit Nicoline van Harskamp
PROSODIA
Von Nicoline van Harskamp
Die Performancearbeit Prosodia entwirft eine prosodische Form für KI-generierte Stimmen beziehungsweise synthetische Sprache. Diese reflektiert den rhythmischen, formelhaften Charakter menschlichen Erzählens, wie er sowohl in antiker epischer Dichtung als auch in zeitgenössischen Influencer-Inhalten präsent ist. Eine „synthetische Schauspielerin“ namens Prosodia probt gemeinsam mit zwei menschlichen Schauspielerinnen, einer Regisseurin und einer traditionellen Musikerin eine Bühnenadaption einer alten epischen Erzählung. Prosodias Unfähigkeit zu weinen führt zu technischen und künstlerischen Schwierigkeiten, denn alle epischen Geschichten enden mit Tränen. Das Ensemble findet eine Lösung in einer der ältesten Eigenschaften Prosodias.
Sie reflektieren die Technologien, die ihren jeweiligen Fähigkeiten zugrunde liegen – also die drei Generationen performativer, künstlich erzeugter Sprache: das Singen von Erzählungen, Schauspiel und synthetische Sprache. Dabei dekonstruiert die Arbeit einige der Mythen über KI, die von ihren profitorientierten Entwickler:innen verbreitet wurden. Im Zentrum der Arbeit steht der Song of Prosodia, das „synthetische Epos“, das durch menschlichen und synthetischen Gesang dargeboten und live von den Saiten einer Oud begleitet wird.
Geschrieben und inszeniert von Nicoline van Harskamp
Originalmusik, Oud und Gesang von Eleni Mik
Vorgetragen von Ayisha Siddiqi, Mehrnoush Rahmani und Lidewij Mahler
Gefördert durch den Creative Industries Fund NL (Niederlande)

Nicoline van Harskamp (*1975) ist eine bildende Künstlerin, die sich mit Sprachhandlungen und Solidarität auseinandersetzt. Allen ihren Arbeiten ist eine performative Qualität eigen, wobei gesprochene Sprache im Zentrum steht. Ihre Werke nehmen die Form von Live-Inszenierungen, Videos, Installationen und Publikationen an. Ihr Arbeitsprozess ist geprägt von der Überführung gesprochener in geschriebene Sprache – und umgekehrt. Ihre Video- und Installationsarbeiten wurden international gezeigt, unter anderem in der Kadist Foundation in Paris, im Edith-Russ-Haus in Oldenburg, im Stedelijk Museum in Amsterdam, im HKW in Berlin, im MUAC in Mexiko-Stadt, in der Ellen Art Gallery in Montréal, bei Manifesta 9 sowie auf den Biennalen in Göteborg, Limerick, Sydney und Taipeh. Nicoline van Harskamp ist Professorin für Performative Kunst an der Kunstakademie Münster.
Prosodia hatte beim Athens Epidaurus Festival 2026 Premiere. Weitere Live-Arbeiten wurden unter anderem im MuHKA in Antwerpen, in der Tate Modern in London, am KW Institute for Contemporary Art in Berlin, im New Museum in New York, im Arnolfini in Bristol, bei Urbane Künste Ruhr in Oberhausen, beim steirischen herbst in Graz, im Project Arts Centre in Dublin, im Serralves Museum in Porto und im Kaaitheater in Brüssel aufgeführt.
