IN-PROGRESS… | COLLOQUIUM
Research in Art, Science, and Humanities
Mit Karolina Żyniewicz und Regine Hengge
Art Laboratory Berlin freut sich, Sie und Euch zum Colloquium einzuladen (dieses mal online ). Es ist ein diskursives Format, von Regine Rapp kuratiert, zum Austausch aktueller Forschungsprojekte in Kunst, Geistes- und Naturwissenschaften.
Das Colloquium richtet sich an ein internationales, interdisziplinäres Forschungspublikum, um vergangene, aktuelle oder zukünftige Projekte von Künstler:innen und Wissenschaftler:innen, Kurator:innen oder Redakteur:innen aus den Bereichen Kunst, Geistes- und Naturwissenschaften vorzustellen und zu diskutieren. Die Themen können sich auf ein Kunstprojekt, ein Buch, einen Text oder ein Kapitel, ein Forschungs- oder Ausstellungsprojekt, ein Laborexperiment, eine Vortragsreihe, ein Konferenzkonzept oder anderes beziehen.
Die Präsentationen und der Austausch werden sich auf den work-in-progress der Arbeiten konzentrieren. Methodische Ansätze – theoretisch oder praktisch – sind hier ebenfalls von großem Interesse. Während unserer Forschung wechseln wir häufig zwischen praktischer Untersuchung und theoretischer Forschung und greifen oft auch auf verschiedene Disziplinen zurück. In Anlehnung an die ursprüngliche Bedeutung von Colloquium als „gemeinsames Sprechen“ wollen wir eine Plattform für den Austausch darüber bieten und verschiedene Arten von Arbeitsprozessen einbeziehen, die oft nicht gesehen oder nicht besprochen werden.
Das Colloquium lädt zu informellen Gesprächen zwischen den Teilnehmenden ein und wird nicht aufgezeichnet oder archiviert.
Vortragende der Session am 17. März 2026
Dr. Karolina Żyniewicz, Künstlerin und Forscherin | The Self Defense Project
Dr. Karolina Żyniewicz (PL/DE) ist eine in Berlin lebende Künstlerin, Forscherin und Dozentin, die sich zwischen verschiedenen Kontexten und Disziplinen bewegt. Sie ist Absolventin der Fakultät für Bildende Künste der Strzemiński-Akademie der Bildenden Künste in Łódź und promovierte in Kulturwissenschaften (im transdisziplinären Programm Natur-Kultur an der Fakultät Artes Liberales der Universität Warschau). Ihre künstlerischen Forschungsprojekte befassen sich hauptsächlich mit Biotechnologie und Medizin, dabei führt sie auch ethnografische und autoethnografische Beobachtungen durch. Die Themen ihrer Arbeit beziehen sich oft auf Leben und Tod im weitesten Sinne und deren soziale und biologische Dimensionen. Ihre Arbeit ist stark prozessorientiert, daher nimmt sie häufig an Residenzen teil, wie der European Media Art Platform (EMAP) im Kontejner Zagreb oder Coalesce in Buffalo, NY, sowie an Gruppenprojekten, wie der Stretching Senses School des Exzellenzclusters Matters of Activity der Humboldt-Universität zu Berlin. Karolinas künstlerische Projekte sind international präsent, ausgestellt hat sie unter anderem im Kunstquartier Bethanien in Berlin, im Kontejner Zagreb oder im Zentrum für zeitgenössische Kunst Łaźnia in Danzig, Polen. Darüber hinaus ist sie assoziierte Rezensentin der Zeitschrift Technoetic Arts. Im Jahr 2026 veröffentlichte sie ihr erstes Buch mit dem Titel “The Body as Matter of Art and Science. Autoethnography of transmattering”, erschienen bei Springer Nature.
Wie verstehen Sie Selbstverteidigung? Wovor müssen Sie sich verteidigen? Wie verteidigen Sie sich? Das sind die Fragen, die Karolina Żyniewicz in ihrem laufenden Projekt mit dem Titel Self Defense stellt. Das Projekt basiert auf der aktuellen globalen Kriegsgefahr sowie auf einem Gefühl der technologischen Dominanz und Überstimulation. Als nichtmenschliche Partnerinnen in unseren Selbstverteidigungsstrategien sind es die Pflanzen, denen sich die Künstlerin zuwendet, insbesondere solchen, die sowohl heilende als auch tödliche Eigenschaften haben. Sie fungieren in vielerlei Hinsicht als natürliche Waffen, wurden jedoch weitgehend von technologischen Werkzeugen ‘in den Schatten gestellt’. Seit Frühjahr 2025 sammelt sie sowohl alleine als auch in Workshop-Gruppen ‘giftige’ Pflanzen. Das gemeinsame Sein und Lernen wird ebenfalls zu einer Verteidigungsstrategie. Karolina beschäftigt sich mit der traditionellen Handwerkskunst der Stickerei – unter Verwendung von Fäden, die mit giftigem Pflanzensaft getränkt sind – als entspannende, meditative und körperliche Aktivität, die dabei hilft, gegen die geistige und körperliche Erschöpfung anzuarbeiten. Im Jahr 2026 wird die Entwicklung des Projekts durch ein Stipendium des polnischen Ministeriums für Kultur und nationales Erbe unterstützt
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Prof. Dr. Regine Hengge, ExC Matters of Activity und Institut für Biologie/Mikrobiologie, Humboldt-Universität zu Berlin | Human-curated Plant-microbe Interactions in Science and Art
Prof. Dr. Regine Hengge, Professorin für Mikrobiologie an der Humboldt Universität zu Berlin, leistete Pionierarbeit zum Überleben von Bakterien unter Stressbedingungen, insbesondere zu molekularer Signalverarbeitung und Regulation sowie zur komplexen Architektur und Morphogenese von bakteriellen Biofilmen. Im Exzellenzcluster Matters of Activity erforscht sie Stoffe und Formen des Lebens an den Schnittstellen von Wissenschaft und Kunst – von bakterieller Cellulose als selbst-wachsendes lebendes Material für Design über fermentative Textilfärbung bis zu visuellen re-enactments der Interaktionen von Pflanzen und Mikroben in Kunstprojekten. Ausgehend von anthropologischen, historischen und molekular-mikrobiologischen Untersuchungen von traditionellen medizinischen und handwerklichen Praktiken, entwickelte sie das Konzept der Menschlichen Kuration von Multi-Spezies-Interaktionen als Basis für nachhaltigere Technologien. Für ihre Forschungen erhielt sie den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis und einen ERC Advanced Investigator Grant. Sie ist gewähltes Mitglied der Leopoldina, von EMBO und anderen wissenschaftlichen Akademien.
Vor etwa dreizehn Jahren begann Regine Hengge, ihr langjähriges wissenschaftliches Fachwissen über bakterielle Biofilme, die die multizelluläre Lebensform von Bakterien darstellen und chronische Infektionen (z. B. von Wunden) verursachen, mit einer bestimmten persönlichen Familientradition mit klassischen Heilpflanzen zu verbinden. Dabei untersuchte sie, ob Heilpflanzen, die traditionell gegen solche chronischen Infektionen eingesetzt werden, Wirkstoffe enthalten, die die Bildung bakterieller Biofilme hemmen. Dies führte zu einer eingehenden Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und Mikroben auf molekularer Ebene und zu der Erkenntnis, dass nicht nur die traditionelle Medizin, sondern auch bestimmte traditionelle Handwerkspraktiken – wie beispielsweise Techniken des traditionellen Färbens organischer Textilien – diese komplexen Wechselwirkungen in großem Umfang nutzen, indem sie die komplizierte Selbstverteidigung der Pflanzen gegen Mikroben, die sich auf ihrer Oberfläche ansiedeln, zum Nutzen des Menschen einsetzen. Auf der Grundlage interdisziplinärer anthropologischer, historischer und molekularmikrobiologischer Studien zu traditionellen medizinischen und handwerklichen Praktiken hat sie das Konzept der vom Menschen kuratierten Interaktionen zwischen mehreren Arten, insbesondere zwischen Pflanzen und Mikroben, als Grundlage für eine nachhaltigere Medizin und Technologie der Zukunft entwickelt. Schließlich werden diese bemerkenswerten Interaktionen zwischen Pflanzen und Mikroben auch in ihrem Labor im Rahmen laufender Kunst- und Ausstellungsprojekte visualisiert.
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