Performativer Vortrag & Workshop

Alanna Lynch | Gut feelings

18. Juni 2017, 14-18 Uhr (auf englisch)


Foto links: Matthias Reichelt/ Foto rechts: Florian Denzin

Im Rahmen ihrer aktuellen Forschung hat Alanna Lynch Mikroorganismen gezüchtet, die Kombucha-Tee erzeugen. Während des Fermentierungsprozesses produziert diese symbiotische Kolonie von Bakterien und Hefe (Hefepilz, auf englisch SCOBY, symbiotic colony of bacteria and yeasts) Zellulose, ein Material, das schleimig ist, in nassem Zustand stark riecht und getrocknet als Textil verwendet werden kann. Lynchs Interesse, mit dieser Lebensform zu arbeiten, geht jedoch über deren Materialeigenschaften hinaus. Während ihrer Forschung konsumiert sie aktiv die Mikroorganismen ihres Forschungsgegenstands, indem sie den Tee trinkt. Lynch reflektiert folgende Phänomene: Die Hälfte der Zellen im menschlichen Körper sind bakterielle Zellen. Laut der Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse beeinflussen Bakterien im Darm nachweislich die Psyche und damit menschliches Denken, Fühlen und sogar Handeln. Bakterien verfügen über ein tiefgreifendes Potential, Kategorien wie Subjekt/Objekt, Geist/Körper und menschlich/nichtmenschlich zu hinterfragen.

Die Künstlerin wird ihre Forschung in einer Mischform aus Performance, Vortrag und interaktivem Workshop präsentieren, was die Interdisziplinarität des Themas verdeutlicht. Sie wird theoretische Gesichtspunkte wie Subjektivität und Willensfreiheit erörtern, während sie den Teilnehmern den Kombucha-Drink serviert. Dadurch werden die Teilnehmer körperlich in das Werk eingebunden. Der Vortrag wird nicht nur Fakten und Ideen präsentieren, sondern sich einer starken affektiven Dimension bedienen. Wir werden die Ästhetik und die sensorischen Eigenschaften des Kombucha-Pilzes in einer Mitmach-Situation erforschen. Ein Schwerpunkt der Performance wird auf dem Geruch und der Substanz in Relation zu unseren Körpern – sowohl innerlich als auch äußerlich – liegen. Zum Schluss werden die Teilnehmer eine Probe zum Mitnehmen erhalten, die sie nutzen können, um die Substanz zuhause weiter zu züchten. Dadurch wird die Substanz buchstäblich ansteckend.


Die kanadische, in Berlin lebende Performance- und Medienkünstlerin Alanna Lynch (CA/DE) bedient sich eines vielfältigen Hintergrunds aus Biologie, Psychologie und Aktivismus. Ihr Werk lotet aus, in welcher Weise Affekte wie Furcht und Ekel konstruiert werden und welche Ästhetik diese Affekte umgibt. Sie hat ein BA in Psychologie an der Queen's University in Kingston, Kanada, absolviert, ein BFA an der Concordia University in Montreal, einen MA in Bibliotheks- und Informationswissenschaftenvon der McGill Universität, Montreal, sowie ein MFA an der Valand Akademie in Gothenburg, Schweden, absolviert. Sie hat international ausgestellt und Performance-Projekte realisiert. Jüngst erworbene Auszeichnungen: Eric Ericson Foundation Grant (2015, Schweden), Stipendium für das Goldrausch Künstlerinnenprojekt (2016). Derzeit lehrt sie an der Kunsthochschule Weißensee und ist Mitglied des "Smell Lab"-Kollektivs

www.alannalynch.com


















 


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